Nützling Raubwanze

Nützling RaubwanzeIn Mitteleuropa gibt es ca. 50 Raubwanzenarten. Charakteristisch für Raubwanzen ist der kräftige Stechrüssel (Rostrum). Mit diesem „Werkzeug“ saugen die Nützlinge Beute wie zum Beispiel andere Wanzen aus. Raubwanzen erreichen Körpergrößen zwischen 3 mm und 2 cm. Färbung und Körperbau von Raubwanzen können sehr verschieden sein. So ist die weit verbreitete Große Raubwanze (Reduvius personatus) komplett schwarz gefärbt, wohingegen die Geringelte Mordwanze (Rhinocoris annulatus) auffällig rot-schwarze Beine und Körperränder aufweist. Trotz ihrer teilweise martialischen Namen stechen Raubwanzen nur in „Notwehrsituationen“ Menschen oder Haustiere.

Fakten zum Nützling Raubwanze

•    Charakteristisch für Raubwanzen ist der Stechrüssel.
•    Raubwanzen bekämpfen als Nützlinge zum Beispiel Blattläuse, Wanzen und Spinnmilben.
•    Mensch und Tier stechen Raubwanzen nur im Notfall und können als Nützlinge im Fachhandel gekauft werden.
•    Einige Raubwanzen werden bei schlechtem Nahrungsangebot zu Schädlingen.

Nützling Raubwanzen – welche Schädlinge bekämpfen sie?

Raubwanzen sind wichtige Nützlinge, die sich von anderen Wanzen, Raupen, Käfern, Blattläusen, Thripsen und Spinnmilben ernähren. Raubwanzen stellen ihrer Beute entweder aktiv nach oder sie erwarten ihre Beute als Lauerjäger auf Pflanzen. Die Beute wird durch einen Stich mit dem Stechrüssel gelähmt und dann ausgesaugt. Viele Raubwanzen haben ein relativ breites Nahrungsspektrum. Einige Arten wie die Große Raubwanze sind jedoch auf bestimmte Beutetiere spezialisiert. So jagt die Große Raubwanze bei entsprechendem Nahrungsangebot überwiegend Bettwanzen (Cimex lectularius) und ist daher auch in Gebäuden ein gern gesehener Nützling. Die Larven von Raubwanzen sondern teilweise ein klebriges Sekret ab, mit dem sie Tarnmaterialien wie Staub oder Kot an ihrem Körper fixieren.[1] Auf diese Weise schützen sich die Larven vor Fressfeinden wie Vögeln.

Kann der Nützling Raubwanze selbst zum Schädling werden?

Raubwanzen stechen nur bei unmittelbarer Bedrohung (z.B. wenn sie von Pflanzen abgesammelt werden). Die Stiche einiger Raubwanzenarten sind allerdings recht schmerzhaft und die Abheilung der Einstichstelle dauert oft mehr als eine Woche. Auch Haustiere werden von den Nützlingen nicht befallen. Einige Raubwanzenarten (z.B. Macrolophus caliginosus) können sich auch von Pflanzensäften ernähren. Dies geschieht besonders bei einem schlechten Nahrungsangebot an Insekten und einer hohen Besatzdichte. Außerdem verschmutzen sehr hohe Populationen des Nützlings Pflanzen mit Kot. Außerhalb Europas übertragen blutsaugende Raubwanzen zum Beispiel die Chagas-Krankheit auf den Menschen.[2]  Diese Infektionskrankheit endet bei bis zu 10 % der Infizierten tödlich.

Wie können Raubwanzen als Nützlinge im Garten angesiedelt werden?

Die Ansiedlung von Raubwanzen im Garten kann durch Haufen aus Totholz, Schilf, Borke, Reisig und Steinen unterstützt werden. Insgesamt bevorzugen die Nützlinge eine möglichst große Vielfalt an Blütenpflanzen und Stauden. Raubwanzen können als Nützlinge auch direkt bei Internetshops bestellt werden. 500 Raubwanzen der Art Macrolophus caliginosus (eingesetzt gegen Blattläuse und Weiße Fliegen) kosten etwa 70 Euro. Diese Menge reicht für ein Gewächshaus von 500 m². Die Raubwanzen werden von März bis Juli direkt auf befallene Pflanzen gestreut.

 

 

Referenzen:

[1] Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, „Große Raub- oder Kotwanze“: http://www.gesundheitsamt-bw.de/SiteCollectionDocuments/30_Gesundheitsth_Hygiene/Grosse_Raubwanze_Information.pdf

[2] Tierärztliche Hochschule Hannover, „Diagnose, Überwachung und Bekämpfung von Zoonosen...“: http://ibei.tiho-hannover.de/vph/home_d/aufgaben/zoonosen/parasiten.htm